Seit Ende August läuft im Großraum München die bislang umfassendste seismische Untersuchung von Geothermiepotenzialen in Deutschland: Mit Hilfe von speziellen Vibrotrucks wird ein durchgängiges dreidimensionales Bild des tiefen Untergrunds in der Region erstellt und damit auch die Möglichkeit für die künftige Nutzung von Erdwärme erforscht. Die Messpunkte hierzu liegen in der ganzen Region im Boden verteilt (vergleichbar kleine orange Steckdosen im Boden), und an jedem Messpunkt dauern die Arbeiten lediglich wenige Minuten. Für die Anwohner sind sie meist nur als leichtes Vibrieren wahrnehmbar – vergleichbar mit einem vorbeifahrenden Zug oder einem Schwertransport.
Die Wärmewende spielt eine entscheidende Rolle beim Klimaschutz, denn mehr als 50 Prozent der gesamten Energie, die in Deutschland verbraucht wird, fließt in die Wärmeversorgung. Studien belegen, dass die Nutzung von Geothermie (heißes Wasser in großer Tiefe) maßgeblich zum Gelingen der Wärmewende beitragen kann.
In Bayern und gerade im Großraum München sind die geologischen Voraussetzungen für die Nutzung der Erdwärme optimal. Die geothermische Energiequelle ist heißes Thermalwasser aus gut durchlässigen Kalksteinschichten, dem Malm. Da sich diese Gesteinsschicht im Großraum München in 2-5 km Tiefe befindet, ist die 3D-Seismik die am besten geeignete Untersuchungsmöglichkeit. Mit Ihr kann das Reservoir großflächig untersucht werden. Für die Tiefe Geothermie wird heißes Wasser aus einer tiefen Gesteinsschicht gefördert, an die Oberfläche gepumpt und über Wärmetauscher geleitet, wobei ihm die Energie entzogen wird. Abgekühlt wird es über weitere Bohrungen in dieselbe Schicht zurückgeführt – ein nachhaltiger Kreislauf.
Eine gute Kenntnis dieses Reservoirs ist wichtig, um die Risiken einer Bohrung zu verringern und die Chancen auf Fündigkeit zu erhöhen. Die Kosten für eine (Test-)Bohrung sind sehr hoch.
Derzeit wird das Thermalwasserreservoir im Großraum München von verschiedenen Betreibern bereits durch rund 50 Bohrungen mit einer thermischen Gesamtleistung von etwa 400 MW genutzt. Das noch verbleibende Potenzial wird auf mehr als 1.000 MW (> 1 Gigawatt) geschätzt.
Informationen zum aktuellen Fortschritt der Messkampagne gibt es auf der Projekt-Webseite www.giga-m.de/seismik und auf Social Media: https://giga-m.de/linktree.





